Karina Müller Karina Müller

 

 

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Karina Müller , eine engagierte Jungzüchterin des Rhein-Erft-Kreises, hat zum Seminar, das der Kreispferdezuchtverein für seine Mitglieder veranstaltet hat, einen Artikel aus ihrer Sicht verfasst:

 

 

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Der korrekte Umgang mit Fohlenhufen

Für Pferde sind gesunde Hufe das A und O, denn ohne Huf – kein Pferd. Nach diesem Motto richtete der Jungzüchterclub Rhein-Erft am 18.12.2010 eine Fortbildung auf der Anlage der Familie Abels in Elsdorf aus. Trotz klirrender Kälte und wiederholten Schneefällen traf eine Gruppe interessierter Jungzüchter im warmen Reiterstübchen ein, wo Familie Abels sie herzlich empfing. Bei weihnachtlichem Gebäck und heißem Kakao oder Kaffee wurde es schnell gemütlich und die eisigen Temperaturen von draußen erträglicher. Paul-Josef Gerhards, Hufbeschlagsmeister aus Jülich, konnte für diesen Anlass als Referent vom Fach gewonnen werden. Er hielt einen höchst aufschlussreichen Vortrag spezialisiert auf die Fohlenhufe. Zahlreiche Fotos ließen das Gesagte bildhaft erscheinen.

Fohlenhufe sind sowohl für einen späteren Einsatz im Sport als auch in der Zucht von großer Bedeutung. So bedarf die von jedermann angestrebte Langlebigkeit der Pferde im Sport eines gesunden Fundaments – Pferde mit Fehlstellungen und Ähnlichem hingegen sind binnen kurzer Zeit bereits „kaputt“. Was nützen also atemberaubende Sprünge oder extrem federnde Trabverstärkungen, wenn sie nur von kurzer Dauer sind?

Bockhuf Bockhuf

 

Nichts kommt jedoch von irgendwo daher, auch die Eigenschaften der Hufe werden unmittelbar weitervererbt. Gerade in der Pferdezucht sollte deshalb stets auf korrekte Gliedmaßen einschließlich der Hufe geachtet werden. Das Züchten mit einer x-beliebigen Stute oder die übermäßige Nutzung eines noch nicht in seiner Vererbung sicheren Junghengstes ist letztendlich abzuraten, so Herr Gerhards. Kommt dennoch ein Fohlen mit Gliedmaßenfehlstellungen zur Welt oder erwirbt sich diese in seiner Wachstumsphase, ist nicht zwangsläufig mit dem Schlimmsten zu rechnen. Äußerst relevant wird in einem solchen Fall lediglich die schnelle Reaktion des Züchters. Fohlen sind noch sehr weich gebaut und „formbar“; sie besitzen einen optimalen Selbstheilungsprozess. Aus diesem Grund wird an einen frühstmöglichen Beginn der Hufpflege appelliert. Viele Fehlstellungen wie z.B. Bock- oder Zwanghufe, eine zehenenge oder -weite Gliedmaßenstellung, gebrochene Zehenachsen usw. lassen sich im Fohlenalter noch gut mithilfe Tierarzt und Hufschmied korrigieren. Mit zunehmendem Alter werden solche Korrekturen hingegen für das Pferd schmerzhafter und langwieriger. Einige der Möglichkeiten eines Hufschmieds bestehen dabei im Korrekturschneiden und Raspeln, in der Anbringung diverser Fohlenhufschuhe oder Eisen, und in der Arbeit mit Kunststoffen. Je nach Härtefall wird bei einem Fohlen schließlich eine Hufkorrektur im zwei bis vier Wochentakt notwendig. Der zeitliche und finanzielle Aufwand wird später dann seine Früchte tragen. Ein übermäßiger Verschleiß der Gelenke und damit einhergehende Schmerzen werden optimal minimiert oder gar gänzlich umgangen. 

 

 

Neben der besagten Vererbung und Verletzung tragen aber auch die Fütterung und Haltung zur Beschaffenheit der Hufe bei. So gilt es Extreme zu vermeiden. Besonders positiv wirkt sich bei Fohlenhufe ein Mix aus hartem und weichem Boden aus. So kann sich der Huf einerseits auf hartem Boden natürlich abreiben und an Stabilität gewinnen, anderseits auf weichem Boden an nötiger Breite und Größe erreichen. Ausreichende Bewegung zur Kräftigung des gesamten Organismus wird als selbstverständlich betrachtet.

Im Anschluss an den theoretischen Teil folgte die eindrucksvolle Praxis. Passend zum Thema Fohlenhufe wurde ein gerade von seiner Mutter abgesetztes Hengstfohlen zum Vorführobjekt. Nach einer Beurteilung im Stand und Gang ging es dann schließlich – im wahrsten Sinne des Wortes – ans Eingemachte. Für den kleinen Hengst war es das erste Zusammentreffen mit einem Hufschmied. So präsentierte er sich stets kernig und ein wenig widerwillig den Strapazen. Unbeeindruckt von all den Hampeleien und tollsten Ideen des Hengstfohlens, fuhr Herr Gerhards mit seiner Arbeit fort. Seinem Handeln fügte er die entsprechenden Erklärungen hinzu. Nach beendeter Arbeit ließ er den Hengst zur Kontrolle erneut vorführen. Dabei zeigte sich bereits ein großer Unterschied. Hatte der Hengst zu Beginn eine vordere Gliedmaße zehenweit verstellt und einen Hinterhuf zu flach, so erschienen die Hufe nun weitaus korrekter. Soll diese Stellung beibehalten werden, wird in den nächsten Monaten jedoch eine regelmäßige Pflege und Korrektur von Nöten sein. Das Hengstfohlen – froh darüber die seiner Ansicht nach unnötige Tortur überlebt zu haben – wurde daraufhin in seinen Stall entlassen. Schließlich durften die Jungzüchter noch einen Blick auf die erfolgreiche Arbeit von Paul-Josef Gerhards erhaschen. Zwei seiner Pferde hatte er dafür mitgebracht. Zurecht besonders stolz präsentierte er einen vierjährigen Florestan Nachkomme, der mit vier Bockhufen zur Welt gekommen war. Die damalige Besitzerin samt Tierarzt und Hufschmied teilten damals die Ansicht, der Wallach wäre nur noch mithilfe einer Sehnenkappung zu retten. Mit sieben Monaten bekam Herrn Gerhards ihn dann aber geschenkt. Ohne langes Zögern begann dieser vorsichtig alle vier Hufe zu korrigieren. Die einzelnen Fortschritte hielt er in Bildern fest. Bei einem Vergleich dieser Bilder mit dem heute endgültigen Ergebnis konnte man nur noch staunen. Die einst stark gebrochene Zehenachse bildet nun eine Gerade; die Hufgröße hat sich optimal entwickelt – kaum vorstellbar, dass dies nicht immer der Fall war. Eine weitere vierjährige Stute mit ebenfalls einem Bockhuf zeigt noch den Beginn dieser Arbeit. Auch sie wird Herr Gerhards in wenigen Wochen optimal korrigiert haben, sodass einem später eventuellen Einsatz im Sport nichts mehr im Wege stehen sollte.

Beeindruckt von seiner Arbeit möchte ich hier nochmals stellvertretend im Namen aller Jungzüchter Herrn Gerhards für den sehr informativen und praxisnahen Workshop danken. Der Dank gilt natürlich auch Familie Abels für die Bereitstellung ihrer Anlage sowie Ilona Müller und Silvia Schroers, die immer wieder solch tolle Veranstaltungen für die Jungzüchter organisieren.

 

Karina Müller